The Vision Bleak - The Unknown

Der Titel "The Unknown" ist somit Programm. Für ihr sechstes Album befreiten sich The Vision Bleak von Kompositionsmustern der Vergangenheit und trauten sich, unvoreingenommen und völlig offen zu komponieren. Das Ergebnis: "The Unknown" sprüht vor Abwechslungsreichtum und ungezügelter Kreativität. Eine nahezu greifbare Intensität, laut Schwadorf "metaphysisch präsente Emotionen" durchziehen die Lieder und sorgen für eine Frische, die viele in dieser Form vermutlich nicht mehr erwartet haben.
Auch textlich betreten The Vision Bleak Neuland. Die geläufigen Bezüge zu Horror-Klassikern und fiktivem Schrecken, Sagen und Mythen fehlen. Ähnlich geblieben ist zwar die bildhaft-poetische und mitunter archaische Sprache, doch auf "The Unknown" sind die Songtexte metaphorischer, näher am Leben der Musiker. Die Zeiten des "creepy and haunting entertainment" sind vorbei - 2016 stellen sich The Vision Bleak ihren inneren Dämonen und dem Horror in ihnen selbst.
Nachvollziehen kann man ihre Neuerfindung letztlich auch anhand der visuellen Gestaltung des Albums. Für das spektakuläre Frontcover gewannen die Macher niemand geringeren als den legendären Dan Seagrave (Entombed, Dismember, Morbid Angel …), der die Welt von "The Unknown" mit einem detailreichen Gemälde mittelbar macht.

Haben sich die beiden Köpfe nun ihrer Identität entledigt? Keineswegs. Kenner werden auf "The Unknown" genug vertraute Elemente ausmachen: Schwadorfs einzigartige Gitarrenmelodien, Konstanz' markanten Gesang, die stets packende Atmosphäre, das Wechselspiel von Wildheit und Eleganz … All dies macht auch das neue Werk der einstigen Todesschiff-Kapitäne unverwechselbar - bloß dass die Frischzellenkur der Musik neuen Glanz verleiht. "The Unknown" ist The Vision Bleaks zweite Geburt.